Freiwillige Feuerwehr Rheda-Wiedenbrück
Löschzug St. Vit

Als wir ankommen, qualmt der Diskonebel aus dem offenen Fenster im Obergeschoss. Am Fenster stehen zwei Kinder und rufen um Hilfe, vor dem Haus erwartet uns der Vater, im Erdgeschoss brennt es, der Vater ist wütend. Die Kinder hatten wohl im verlassenen Haus gespielt und dabei ein Feuer verursacht.

Regel Nummer eins in solchen Fällen: Menschen beruhigen. Einer von uns kümmert sich um den Vater und bringt ihn aus dem Gefahrenbereich, ein anderer spricht mit den Kindern. Solange die Kinder noch nicht gerettet sind, bleibt er vor dem Fenster stehen und hält Kontakt, fragt, ob noch mehr Kinder im Haus sind, erklärt ihnen, was jetzt alles passiert und beruhigt sie.

Während das alles passiert, bereitet der Rest von uns die nächsten Maßnahmen vor. Die Mannschaft vom LF 20 kümmert sich um den Innenangriff, die Besatzung vom LF 10 rettet die Kinder von außen über eine Leiter. Für den Innenangriff hat sich der Erste Angriffstrupp schon auf dem Weg zur Einsatzstelle mit Atemschutzausgerüstet. Die anderen Trupps legen die Schlauchleitung für den Angriffstrupp, der dann auch ziemlich schnell im vernebelten Hauseingang verschwunden ist. Ein zweiter Trupp rüstet sich mit Atemschutz aus – der Sicherheitstrupp, falls dem Angriffstrupp etwas passiert.

Auch der Angriffstrupp vom LF 10 hat sich mit Atemschutz gerüstet, sie müssen ja über die Leiter ins verqualmte Zimmer einsteigen. Als sie oben sind, sichern sie die Kinder mit Leinen ab und führen sie einzeln über die Leiter nach draußen. In dieser Zeit hat der andere Angriffstrupp das letzte noch vermisste „Kind“ gefunden – eine 90 Kilo schwere Puppe, die nach draußen getragen werden will. Das ist unter den schweren Atemschutzgeräten gar nicht so einfach, am Ende liegt die Puppe aber auf der Trage.

Der Trupp geht wieder ins Haus und löscht das Feuer, vor dem Haus bringen wir einen Lüfter in Stellung. Als das Feuer aus ist, können wir damit das Haus in kurzer Zeit entlüften: Die Luft wird durch die Haustür gepresst, zieht durchs Haus und kommt aus dem offenen Fenster wieder raus – der Nebel hat sich damit auch erledigt. Ein letzter Kontrollgang, alles erledigt, es geht ans Aufräumen.

Seit einigen Wochen verfügen wir über einen neuen Rettungszylinder. Dieser verfügt über einen Hochleistungsakku, so dass wir keine Hydraulikleitungen für den Betrieb des Rettungszylinders benötigen. Dennoch bietet er eine Hubkraft von ca. 127kN (12,7 Tonnen). Mit dem Rettungszylinder können wir Patienten aus verunfallten Fahrzeugen retten, indem wir z.B. das Armaturenbrett vom Patienten wegdrücken oder die B-Säule vom Dach trennen. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind Rettungsarbeiten nach Gebäudeeinstürzen oder Naturkatastrophen, Heben und Wegdrücken von Lasten oder das Schaffen und Stabilisieren von Öffnungen.

Damit wir den neuen Rettungszylinder effektiv und effizient einsetzen können, üben wir den Einsatz des Gerätes regelmäßig. So auch bei einer Sonderübung außerhalb des regulären Dienstplans. Bei dieser Übung machten wir uns mit der Bedienung des Gerätes vertraut und führten verschiedene Rettungstechniken an einem PKW durch.

Alle Löschzüge der Feuerwehr Rheda-Wiedenbrück und die Werkfeuerwehr der Westag und Getalit AG übten am Freitag gemeinsam. Über 130 Einsatzkräfte waren an der Übung bei der Firma Tönsmeier und bei der Flüchtlingsunterkunft "Am Rondell" aktiv.

In der Slideshow zeigen wir, was der Angriffstrupp und der Wassertrupp bei der Übung gemacht haben.

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    Der Angriffstrupp

  • 2

    "Die Flüchtlingsunterkunft brennt. Mehrere Personen sind noch vermisst. Sie sind teilweise nicht gehfähig. Angriffstrupp zur Menschenrettung unter PA ins erste Obergeschoss vor. Weitere Einzelheiten bekommt ihr gleich direkt vom Abschnittsleiter."

  • 3

    Mit dem Befehl unseres Gruppenführers ist uns beiden, dem Angriffstrupp,  klar, was zu tun ist.

    Zuerst mit PA, also Atemschutzgeräten, ausrüsten.

  • 4

    Dann weiter zum Abschnittsleiter. Er koordiniert alle Trupps, die im Gebäude nach Menschen suchen. Jeder Raum muss durchsucht werden, kein Raum sollte doppelt durchsucht werden.

    In Gebäuden mit besonders vielen Menschen oder besonderen Gefahren gibt es extra Pläne für die Feuerwehr.

  • 5

    Also die Treppe hoch in das erste Obergeschoss, genau so, wie mit dem Abschnittsleiter abgesprochen.

  • 6

    Oben erwartet uns dichter Rauch im Flur. Ein anderer Trupp ist im Rauch zu erkennen. Er hat den Auftrag, alle Räume rechts abzusuchen, wir sollen links suchen.

  • 7

    Direkt im ersten Raum finden wir eine Person im Rollstuhl. Sie ist ansprechbar, klagt jedoch über Atemnot.

  • 8

    Wir entschließen uns, die Person die wenigen Meter bis zur Treppe zu schieben, dabei unterstützte uns ein anderer Trupp.

  • 9

    Das Treppenhaus hat einen Rauchabzug. Zusätzlich sorgt ein Lüfter für frische Luft.

  • 10

    Die Kollegen vom Rettungsdienst erwarten uns im Erdgeschoss und kümmern sich um die weitere Versorgung der Person.

    Wir sind bereit, wieder in das Gebäude zu gehen und weitere Menschen zu retten.

  • 11

    Der Wassertrupp

  • 12

    Eigentlich kümmern wir uns meistens um die Wasserversorgung, da aber viele Personen vermisst sind, ist auch unser Befehl eindeutig: "Menschen retten."

  • 13

    Wir suchen den Flur im ersten Obergeschoss auf der rechten Seite ab.

  • 14

    Während wir über Funk hören, dass unser Angriffstrupp eine Person gefunden hat, hatten wir noch keinen Erfolg. Wir suchen weiter Raum für Raum ab.

  • 15

    Schließlich finden wir eine Person. Sie liegt in einem Pflegebett und ist ansprechbar, allerdings nahezu am ganzen Körper gelähmt.

  • 16

    Irgendwie muss die Person raus aus dem Zimmer. Doch unser Luftvorrat wird immer kleiner. Mit dem Pflegebett durch den Flur fahren war keine Option - das dauert zu lange und der Rauch ist zu dicht. Auch eine Rettung über das Fenster und eine Leiter ist nicht möglich.

    Dennoch wird eine Leiter aufgestellt. Ein Trupp mit vollen Luftvorräten kommt und löst uns ab.

  • 17

    Der neue Trupp hatte eine sogenannte Fluchthaube dabei, über diese erhält die Person Luft aus den Atemluftflaschen.

  • 18

    Die Person wird ins Erdgeschoss getragen und dort von den Kollegen des Rettungsdienstes weiter versorgt.

Dass Holz brennt, ist klar. Dass Plastik brennt, auch. Dass Brandrauch brennen kann, ist vielleicht erstmal nicht ganz so einleuchtend. Allerdings enthält solcher Rauch verschiedene brennbare Gase, sodass sich auch Rauch entzünden kann. Und das kann ganz schön gefährlich werden. Wie man mit so einer Rauchgasdurchzündung umgeht und wie sie sich verhindern lässt, haben wir bei der Heißausbildung gelernt. Im Brandcontainer wurde sehr realistisch simuliert, wie sich Rauchgase entzünden. Bei Temperaturen von ca. 1000°C zogen die Flammenzungen über uns hinweg - trotz Schutzkleidung war das schon ziemlich heiß, nah am Boden bleiben war da angesagt. Nachdem wir die Rauchgasdurchzündung hautnah erlebt hatten, zeigten uns Ausbilder verschiedene Abwehrtechniken und ihre Vor- und Nachteile.

Neben diesem speziellen Training haben wir im Brandcontainer auch Grundlagen gelernt, z.B. wie man sich im Innenangriff verhält. Auch, wenn die Rauchgase nicht brennen, ist es klug, sich am Boden zu bewegen - Hitze steigt ja nach oben. Wenn man dann auf ein Feuer trifft, sollte man überlegen, ob man es sofort löscht. Zum Einen entsteht nämlich dann sehr heißer Wasserdampf und zum Anderen macht man sich schlicht das Licht aus. Das Feuer sollte man erst bekämpfen, wenn man eine Öffnung geschaffen hat, durch die der Dampf abziehen kann. Und sowieso erst dann, wenn alle Personen gerettet worden sind - Menschenrettung steht für uns nämlich an erster Stelle.

Die Unfallrettung ist in einem ständigen Wandel, Fahrzeuge werden immer stabiler und enthalten immer mehr Technik. Wir als Feuerwehr müssen mit dieser Technik Schritt halten. Frühere "Patentrezepte" funktionieren nicht mehr universell.

Daher luden wir Matthias Köpp, Ausbilder für technische Hilfe an der Kreisfeuerwehrschule Gütersloh zu uns ein. Die Fortbildung richtete sich an erfahrenere Einsatzkräfte und ging unterschiedlichen Fragestellungen praktisch an einem Unfallfahrzeug auf dem Grund:

  • Was ist ein innerer Retter und welche Aufgaben hat er?
  • Wie kommt der innere Retter ins Fahrzeug?
  • Wie können Gefahren erkannt, markiert und beseitigt werden?
  • Klemmt man die Batterie noch immer ab?
  • Gibt es Vorteile ein Fahrzeug von der Seite zurück auf alle vier Räder zu kippen?
  • Welche Tricks gibt es, um die Arbeit zu erleichtern?
  • Wie schaffe ich Patienten möglichst schnell aus dem Fahrzeug?
  • Wie schaffe ich den Patienten möglichst schonend aus dem Fahrzeug?

Die nächsten Übungen

Die letzten Einsätze

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